Historie

Entstehung der nationalen und internationalen Zusammenarbeit der Wirtschaftsjuniorenkreise

1947-1954
Gründung örtlicher Juniorenkreise bei den IHKs, den örtlichen Arbeitgeberverbänden und Fachverbänden der Wirtschaft.

Erster Juniorenkreis in Deutschland: Wirtschaftsjunioren der Westfälischen Kaufmannsgilde in Dortmund.

Als gemeinsamer „Briefkasten“ wird ein Juniorenreferat beim DIHT eingerichtet.

1955
Erste Bundes-Vorortekonferenz findet statt unter Teilnahme von 7 Ländern, wie Bayern, Baden-Württemberg, Berlin, Hanseraum (mit Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Hamburg), Hessen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. Die Bundes-Vorortekonferenz wählt aus ihrer Mitte einen „Beauftragten und zwei ständige Vertreter.

Aufgaben dieses Dreier-Gremiums sind:

- Förderung des Informationsaustausches unter den Kreisen
- Koordinierung der Kreisarbeiten - Förderung der Zusammenarbeit mit den Jungen Unternehmern der Arbeitsgemeinschaft Selbständiger Unternehmer (JU/ASU)
- Mitherausgabe der gemeinsamen Zeitschrift „Junge Wirtschaft“
- Interessenvertretung gegenüber den Spitzenverbänden der Wirtschaft (DIHT, BDA,BDI) und Hinwirken auf eine Mitarbeit der Junioren in deren Gremien als Gäste
- Förderung der Aus- und Fortbildung durch Seminare, vornehmlich in Zusammenarbeit mit bestehenden Ausbildungseinrichtungen
- Vertretung der deutschen Kreise in der Arbeitsgemeinschaft Europäischer Juniorenkreise, deren Vorsitz zeitweilig von einem deutschen Vertreter wahrgenommen wird: Dr. Hölling, Köln

Das bisherige DIHT-Juniorenreferat wird in eine eigene Geschäftsstelle der Juniorenkammer unter der Bezeichnung „Juniorenkreise der Deutschen Unternehmerschaft“ in Bürogemeinschaft mit dem DIHT.

Schon dieser mehr oder weniger lose Zusammenschluss der Juniorenkreise auf überörtlicher Ebene stößt auf vielfache Bedenken, vornehmlich aus Nordrhein-Westfalen (Krefeld, Düsseldorf), weil man hierin einen Trend zur Bildung einer nationalen Organisation erblickt, die als solche strikt abgelehnt wird. Hauptgrund ist die schlechte Erfahrung der Kriegsgeneration mit zentralen Einrichtungen, wie die Eifersucht einiger Kammergeschäftsführer, die hierdurch ihren Einfluss auf die örtlichen Kreise geschmälert sehen.

Erste Kontakte zwischen der JCI und den Beauftragten zwecks einer korporativen Mitgliedschaft und von Kreismitgliedschaften.

Deutsche Junioren nehmen erstmals als Beobachter an einem JCI-Weltkongress in Edinburgh teil.

1956 85 örtliche Juniorenkreise mit ca. 5.500 Mitgliedern.

IV. Bundesarbeitstagung in Mannheim zu wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Themen.

Nach Erwerb der JCI-Mitgliedschaft durch andere europäische Juniorenkammern erfolgt die Umwandlung der bisherigen Arbeitsgemeinschaft Europäischer Juniorenkreise in eine europäische Sektion der JCI. Die deutschen Juniorenkammern verlieren damit in dieser Arbeitsgemeinschaft ihr Stimmrecht und werden auf den Status eines Beobachters herabgestuft.

1957
Antrag der Geschäftsführung auf Erwerb der JCI-Mitgliedschaft, ohne ausdrückliches Mandat der Bundes-Vorortekonferenz, auf der weiterhin über die Form der überörtlichen Zusammenarbeit gestritten wird und auf der erhebliche Bedenken gegen eine JCI-Mitgliedsschaft geltend gemacht werden.

Hauptgründe gegen eine JCI-Mitgliedschaft sind:

- das Fehlen einer nationalen Organisationsform
- die unterschiedliche Zusammensetzung der Mitglieder , in Deutschland nur unternehmerisch tätige Mitglieder, bei JCI alle Berufe
- die unterschiedlichen Ziele und Aufgaben der deutschen Kreise im Vergleich zu JCI

Zurückweisung des deutschen Aufnahmeantrages auf dem XII. Weltkongress in Tokio, auf dem Dr. Ullrich als deutscher Beobachter teilnimmt, mit der Auflage, innerhalb von 180 Tagen eine den JCI-Erfordernissen entsprechende Satzung zu schaffen mit einem Präsidenten an der Spitze und sodann den Antrag neu zu stellen.

1958
Ablehnung des JCI-Vorschlages durch die Bundes-Vorortekonferenz, da hierdurch die überörtliche Arbeit der deutschen Kreise auf eine völlig neue Grundlage gestellt werde.

Erst auf nachdrückliches Drängen des Bundeswirtschaftsministers Erhard, der den Beauftragten Schweitzer zu einer Aussprache bittet, und aufgrund der Vermittlungsbemühungen des Vorsitzenden der europäischen JCI-Sektion, der an einem Erhalt der Vollmitgliedschaft der deutschen Kreise in der europäischen Sektion interessiert ist, stimmt die Bundes-Vorortekonferenz mit nur einer Stimme Mehrheit einem Modus Vivendi dergestalt zu, dass der im Innenverhältnis für die internationale Zusammenarbeit zuständige Beauftragte nach außen hin die Funktion eines Präsidenten wahrnimmt, der Aufnahmeantrag nur auf eine korporative Mitgliedschaft gerichtet und bei Freistellung der örtlichen Kreise der fällige Mitgliedsbeitrag vom DIHT übernommen wird.

Einem nunmehr von dem zuständigen Beauftragten gestellten Antrag wird seitens der JCI entsprochen, so dass die deutschen Kreise auf dem XIII.JCI-Weltkongress in Minneapolis/USA durch Dr. Knief erstmals als vollberechtigtes Mitglied vertreten sind.

1959
Die knappe Mehrheitsentscheidung der Bundes-Vorortekonferenz erwies sich jedoch nur als eine Scheinlösung der bestehenden Probleme. Zwar konnte nach außen hin eine Flurbereinigung vorgenommen werden. Im Inneren dagegen bestanden Vorbehalte gegen eine JCI-Arbeit unvermindert fort. Obwohl Deutschland auf dem XIII. JCI-Weltkongress 1959 in Rio mit einer siebenköpfigen Delegation unter Leitung der Beauftragen Bloch und Dr. Kämper vertreten war, operierten die Beauftragten auf der internationalen Bühne noch für längere Zeit praktisch ohne Fußvolk und es ist nicht verwunderlich, dass die JCI-Repräsentaten bei ihren jährlichen Inspektionsbesuchen auf örtlicher Ebene nicht selten auf Ablehnung stießen.

1960-1961
Unter diesen Umständen war es unumgänglich, zunächst die nationale Basis der Zusammenarbeit zu stärken.

An Stelle bisher getrennt geführter Sitzungen

- der Geschäftsführer der örtlichen Kreise durch den DIHT
- der Vertreter der Vororte-Juniorenkreise und
- der Bundesarbeitstagungen der Junioren

ging man dazu über, alle Personenkreise auf einer Bundesvororte-Konferenz zusammenzufassen und auf dieser sowohl Organisations- als auch Sachprobleme und Themen zu behandeln.

1962
Den Abschluss dieser Bemühungen bildete der Beschluss der Bundes-Vororte-Konferenz im Oktober 1962 in Koblenz mit der Verabschiedung von Richtlinien für die nationale Arbeit mit dem Ziel einer Stärkung der Führungsspitze und der Sacharbeit durch Bildung von 4 Arbeitskreisen zur Behandlung von wirtschaft- und sozialpolitischen Themen. Die auf Initiative des beauftragten Helmut Hansen zurückgehenden Vorschläge beinhalteten im einzelnen:

- Erhöhung der Zahl der Bundesbeauftragten auf 8
– entsprechend der Zahl der Landesbezirke, hinzugekommen war das Saarland
- Wahl der Bundesbeauftragten durch die jeweilige Landeskonferenz für die Amtsdauer von 2 Jahren
- Wahl eines Sprechers und seiner 3 Stellvertreter aus dem Kreis der Bundesbeauftragten durch die Bundeskonferenz für die Amtsdauer eines Jahres
- Bildung von 4 Arbeitskreisen unter Leitung der 4 übrigen Bundesbeauftragten

Der Koblenzer Beschluss bedeutete im Ergebnis die Bejahung einer nationalen Organisationsform, die Möglichkeit eines weiteren Ausbaus und eine verstärkte Hinwendung zu einer sachbezogeneren Arbeit.

Mit der Wahl eines offiziellen Sprechers entsprach man zugleich dem Anliegen der JCI, da dieser nunmehr sowohl nach innen und außen der für alle zuständige Ansprechpartner war.

Gleichwohl drohte den Juniorenkreisen neues Ungemach. Auf dem XVII. Weltkongress der JCI im November 1962 in Hongkong sollte das sog. 100 %-ige Mitgliedsprogramm verabschiedet werden, demzufolge ab 1.1.1963 die Einzelmitgliedschaft aller einer nationalen Organisation angehörenden Junioren Voraussetzung für die JCI-Mitgliedschaft der nationalen Organisation sein sollte. Da das 100 %-ige Mitgliedschaftsprogramm bis zu diesem Stichtag in Deutschland nicht zu verwirklichen war, galt es, mit der JVI zu einer Ausnahmereglegung für Deutschland zu gelangen oder aber die Konsequenzen zu ziehen, die nur in einem Austritt Deutschlands aus dieser Organisation hätte liegen können.

Es war letztlich der geschickten Verhandlungsführung des die Juniorenkreise auf dem Kongress vertretenden Dr. Kämper und des für 1963 erstmals als Sprecher gewählten Dr. Krüger zu verdanken, dass Deutschland nicht in eine solche Zwangslage manövriert und das 100 %-ige Mitgliedschaftsprogramm vorerst zurückgestellt wurde.

Um den JCI-Gedanken in Deutschland zu fördern, beschloss die Generalversammlung statt dessen, im kommenden Haushaltsjahr einen namhaften Betrag für den Druck deutschsprachiger JCI-Informationen zu werben, so durch den JCI-Past President Peter Frankel.

Hierdurch sowie mit Durchführung mehrerer internationaler Veranstaltungen im eigenen Land
- Ausrichtung der 1. JCI-Europa-Konferenz 1963 in Berlin
- Ausrichtung eines deutsch-französischen Juniorentreffens 1965 in Köln und Mainz gelang es schließlich, die gegenüber der JCI bestehenden Vorbehalte mehr und mehr abzubauen.

1963-1969
Der Juniorenkreis Karlsruhe wird unter Vorsitz von Dr. Ganss als erster Kreis JCI-Kreismitglied.

Dank ihrer anerkannten Sachkenntnisse gelangten im Laufe de Zeit immer mehr Junioren in internationale Führungspositionen:

- 1963 Dr. Hans Helmut Krüger Member of JCI Finance Committee
- 1964 Dr. Hans Helmut Krüger JCI-Vice President
- 1965 Konsul Hellmuth Dettinger JCI-Vice President
- 1969 Konsul Hellmuth Dettinger JCI President der Senatoren
- 1969 Dr. Rüdiger Möhlenbeck Member of Long Range Planing Committee
- 1970 Dr. Rüdiger Möhlenbeck JCI-General Legal Councel
- 1970 Wolfgang Kappus JCI-Vice President
- 1971 Wolfgang Kappus JCI-Executive Vice President
- 1973 Madan Arora JCI Vice President
- 1973 Horst Markgraf President of European and Mediteranean President‘s Meeting
- 1974 Horst Markgraf President of European and Mediteranean President’s Meeting
- 1974 Horst Markgraf Chairman of JCI Finance Committee - 1974 Rolf Sternjakob JCI-General Legal Councel

1970
Verabschiedung einer Satzung für die Juniorenkreise und Umbenennung der Organisation in „Juniorenkreise der Deutschen Wirtschaft“.

1971
Neuformulierung gemeinsamer Ziele und Erstellung eines mittelfristigen Arbeitsprogramms.

1972
Propagierung eines neuen Arbeitsstils im Sinne einer Abkehr von den mehr rezeptiven Vortragsveranstaltungen zu einer aktiven und das persönliche Engagement eines jeden Mitgliedes ansprechenden Projektarbeit.

1973
Ausbau der Informations- und Öffentlichkeitsarbeit durch Herausgabe eigener Publikationen.

1974
Erstmals Verabschiedung des Haushalts durch die Bundeskonferenz.

Insgesamt war die Entwicklung zu einer nationalen Organisation und einer vollwertigen Mitgliedschaft in der JCI ein mühsamer Weg.

Senatoren:

Bis 1974 erwarben 65 Junioren die Senatorenwürde. Diese Mitgliedschaft war nicht käuflich. Zu ihrer Verleihung bedurfte es stets der Zustimmung des Gremiums der Bundesbeauftragten. Diese wurde nur erteilt für eine verdienstvolle Arbeit auf dem Gebiet der internationalen Arbeit, nicht einmal allen Bundesbeauftragten, so sehr sie sich auch um die nationale Arbeit verdient gemacht hatten.

Die ersten Auszeichnungen ergingen 1961 an:

- Dr. Hans Georg Knief 2373
- Harald Schweitzer 2374
- Dipl. Kfm. Heinz Block 2588
- Dr. Kuno Kämper 2589

Erst in späterer Zeit wurde diese Auszeichnung auch für örtliche und nationale Verdienste verliehen.